Argumentarium

Wichtige Ausbildungsplätze dürfen nicht verloren gehen
Der Verein „massgeschneidert“ hat davon Kenntnis erhalten, dass der Regierungsrat die Ausbildungsstätten
für die Bekleidungsgestalterinnen EFZ in Winterthur schliessen möchte. Dies gilt es aus Sicht
der Vereinsmitglieder zu verhindern.


Nachhaltige Lösung zum Erhalt der Ausbildungs‐ und Arbeitsplätze braucht Zeit
Der Verein sieht die Notwendigkeit von Einsparungen im Kanton Zürich. Wir sind auch überzeugt davon,
dass es bei den drei Ateliers der Bekleidungsgestalterinnen EFZ Einsparungspotential gibt. Um
dieses realisieren zu können, ohne dabei die für die Bekleidungsbranche wichtigen Ausbildungsplätze
zu gefährden, sind voraussichtlich jedoch andere Trägerstrukturen, neue Finanzierungmodelle sowie
nachhaltige Kosteneinsparungen notwendig. Damit diese Optionen ernsthaft geprüft werden können,
benötigt der Verein „massgeschneidert“ in Zusammenarbeit mit den Fachkräften der BFS jedoch
Zeit.


Deshalb bittet der Verein den Regierungsrat und den Kantonsrat darum, den Verantwortlichen diese
Zeit zu geben und keinen kurzfristigen Entscheid zu fällen, welcher 45 Lehrstellen und 10 Vollzeitstellen
kostet und die Fachkräfteentwicklung der Bekleidungsbranche massgeblich gefährdet. Und dies
ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, in dem die nachhaltige Produktion von Kleidungsstücken in der
Schweiz sowie die Einhaltung und Überwachung von Qualitätsstandards in der Bekleidungsbranche
rasch wieder an Bedeutung gewinnen.


Ausbildungsplätze gehen verloren ‐ Kleinstbetriebe können keine Lernenden ausbilden
In der Schweiz werden jährlich rund 300 Lernende als BekleidungsgestalterInnen EFZ ausgebildet –
rund 40 davon im Kanton Zürich. Die Ausbildung wurde vor zwei Jahren völlig neu konzipiert und mit
der Einführung der neuen Bildungsverordnung den aktuellen Bedürfnissen des Marktes und der Bildungssystematik
der Schweiz angepasst. Potentielle Lehrbetriebe sind meist Kleinstbetriebe mit ein
bis zwei Mitarbeitenden. Diese sind nicht in der Lage, Lernenden jene Betreuung zukommen zu lassen,
welche für eine seriöse Ausbildung notwendig ist. Deshalb werden schweizweit rund 90% der
Lernenden in Lehrwerkstätten ausgebildet. Würden diese geschlossen, gehen die Ausbildungsplätze
und das entsprechende Fachwissen in der Bekleidungswirtschaft der Schweiz definitiv verloren.


Praktische Ausbildung wird gross geschrieben
In den Ateliers des BFS werden nicht nur die Leistungsziele der Schule sondern auch der Ausbildungsbetriebe
vermittelt. Die Ateliers agieren als Anbieter von Bekleidungsstücken auf dem Markt und erwirtschaften
so zu marktüblichen Preisen beachtliche Eigenmittel. Die Lernenden empfangen Kunden,
beraten diese, machen Preiskalkulationen und führen Verkaufsgespräche. Die Kleider werden
dann mit Unterstützung der Atelierleiterinnen vom jeweiligen Lernenden von A‐Z selber gefertigt.
Somit ist die marktrelevante praktische Ausbildung sichergestellt und die ausgebildeten Bekleidungsgestalterinnen
des BFS sind optimal vorbereitet für den weiteren Einsatz in den Betrieben.


Grosse Nachfrage nach Ausbildungsplätzen an der BFS
In den Ateliers der Berufsfachschule (BFS) Winterthur werden rund 45 Lernende bzw. 15 Lernende
pro Lehrjahr ausgebildet. Für die 15 Lehrstellen bewerben sich jeweils zwischen 50 bis 60 Jugendliche.
In einem dreistufigen Verfahren werden die Lernenden ausgewählt, welche die Schule besuchen
dürfen. Über 40% der Lernenden schliessen ihre Ausbildung mit einer Berufsmatur ab. Damit leistet
das BFS zusätzlich einen wertvollen Beitrag zu der vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und
Innovation (SBFI) im 2015 lancierten Stärkung der Berufsmaturität. Die 45 Lehrstellen sowie die 10
Vollzeitstellen der Ausbildnerinnen ergeben ein maximales Sparpotential von 1 Mio. Franken pro Jahr
für den Kanton Zürich.


Ausgebildete Bekleidungsgestalterinnen EFZ sind gesucht
Gemäss einer aktuellen Umfrage arbeiten über 75% der ausgebildeten Bekleidungsgestalterinnen
nach der Ausbildung in ihrem Beruf, z.B. als Änderungs‐, Theater‐ oder Herrenschneiderin, als Assistentin
in einem Lehratelier oder als Schnitttechnikerin in einem Grossbetrieb. Rund die Hälfte der
Lernenden besucht nach der Ausbildung eine zusätzliche Weiterbildung. Diverse gründen ihren eigenen
kleinen Betrieb und verdienen damit ihren Lebensunterhalt.


Aufgrund all dieser Fakten sind wir überzeugt davon, dass es die drei Ateliers des BFS auch in Zukunft
braucht und dass es Lösungen gibt, welche die finanzielle Belastung für den Kanton reduzieren. Um
die wichtigen Ausbildungsplätze erhalten zu können, benötigen wir Zeit, um eine Neuorganisation
der Ateliers prüfen zu können. Wir bitten Sie, uns die Zeit zu geben, um Lösungsvorschläge erarbeiten
zu können – nicht mehr und nicht weniger.

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